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Murnau-Werdenfelser

1 Murnau Werdenfelser Jais Foto Riesberg 01

Zuchtziel

Die Murnau-Werdenfelser, eine alte Landrasse, ist sozusagen bayrisches Kulturgut. Laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) ist die Rasse nach Gefährdungsgrad in Kategorie I (extrem gefährdet) eingestuft. Deshalb liegt das Zuchtziel vorwiegend auf dem Erhalt der Rasse, gegebenenfalls unter Nutzung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Der Murnau-Werdenfelser Viehschlag variiert in seiner Farbe vom hellen Semmelgelb über Gelbbraun bis zu dunklerem Rotbraun. Stiere erscheinen deutlich dunkler, meist zwischen dunklem Rot bis zu Schwarzbraun. Längs des Rückens befindet sich ein heller Streifen, der sogenannte Aalstrich, der bei roten Tieren allerdings nur vereinzelt kontrastiert. Klauen, Schwanzquaste, Augenlieder und Flotzmaul sind dunkelgrau bis schwarz pigmentiert. Hörner sind weißlich gelb und gehen im letzten Drittel abrupt ins Schwarze über. Kühe der Rasse Murnau-Werdenfelser wiegen 500-600 kg bei einer Widerristhöhe von 125-135cm; Bullen erreichen ein Gewicht von 800-950 kg bei einer Widerristhöhe von 130-145 cm.

Die Kühe der Rasse Murnau-Werdenfelser werden bezüglich Exterieur nach Rahmen, Bemuskelung, Fundament und Euter bewertet. Die Notenskala für die einzelnen Kriterien umfasst jeweils die Noten von 1 bis 9, wobei die Note 5 dem Durchschnitt entspricht und die 1 für die schlechteste, die 9 für die beste Note steht.

Die Eintragung der Murnau-Werdenfelser Tiere erfolgt gemäß Anlage D1.

  

Produktionseigenschaften 

Murnau-Werdenfelser Vieh wird sowohl in der Doppelnutzung (Milch und Fleisch) im Milchviehbetrieb als auch in der Fleischnutzung im Mutterkuh- und Mastbetrieb gehalten.

 

- Doppelnutzung

 Die Doppelnutzung (Milch und Fleisch) entspricht dem ursprünglichen Zuchtziel. Eine wirtschaftliche Milch- und Fleischleistung wird angestrebt, mit einer Überlegenheit im Vergleich zu anderen Rassen in den Merkmalen Langlebigkeit, Anspruchslosigkeit, Härte der Klauen und insgesamt Belastbarkeit des Fundaments.

 

- Fleischrind/ Mutterkuh 
Es wird ein anspruchsloses Rind mit optimaler Fleischqualität angestrebt. Regelmäßige Trächtigkeiten und problemlose Abkalbung in Verbindung mit überlegener Langlebigkeit begünstigen die Wirtschaftlichkeit. Besonderen Wert wird auf die Härte der Klauen und die Belastbarkeit des Fußwerks gelegt um ihre herausragende Eignung für extreme Standorte mit rauem Klima, hohen Niederschlagsmengen und steilen Weideflächen zu erhalten. Eine gute Milchleistung der Kühe ist Voraussetzung für hohe Absetzgewichte der Kälber.

 

Erhaltungszuchtprogramm

Die kleine Population der Rasse Murnau-Werdenfelser kann nur noch auf wenige Blutlinien zurückgreifen.

Das Zuchtziel (Erhalt der Rasse) wird primär in Reinzucht verfolgt. Eine Zuchtwertschätzung im klassischen Sinne existiert nicht. Aufgrund der geringen Populationsgröße kann kein Prüfeinsatz für Besamungsbullen durchgeführt werden. Bei Betrieben mit Milcherzeugung ist die Teilnahme an der Milchleistungsprüfung erforderlich, aus Gründen der Abstammungssicherung ist für alle Betriebe die Mitgliedschaft beim LKV- Bayern verpflichtend.

Das Erhaltungszuchtprogramm beinhaltet gezielte Anpaarung mit der Zielsetzung von geringer Inzucht und Sicherung des genetischen Pools. Um möglichst mit der Gesamtpopulation  wenig verwandte Besamungsbullen zu erzeugen, werden auch genetische Informationen genutzt, sowie zur schnelleren Erreichung dieses Ziels die Methode des Embryotransfers eingesetzt. Soweit vorhanden sind auch noch andere neueste wissenschaftlicher Erkenntnisse zu berücksichtigen.

Bei der Rasse Murnau-Werdenfelser wurden aus Gründen der Inzuchtvermeidung und Leistungsverbesserung seit ca. drei Jahrzehnten Stiere der Rasse Tarantaise, die vom Aussehen den Murnau-Werdenfelsern ähnlich sind, eingekreuzt.

Langfristig soll die Rasse Murnau-Werdenfelser jedoch möglichst wieder auf Reinzucht zurückgeführt werden. Deshalb können Stiere nur noch zu Körung vorgestellt werden, wenn sie den Merkmalen der Rasse entsprechend beurteilt  sind und deren Fremdgenanteil 15%, bzw. bei Fremdgenanteil durch die Rasse Tarantaise 50% nicht übersteigt. Ausnahmen zum Zwecke der Genpoolerweiterung kann die Zuchtleitung genehmigen. Zusätzlich müssen zu körende Stiere mindestens 11 Monate alt sein und die Voraussetzungen für eine Eintragung als Zuchttier in die Hauptabteilung A des Zuchtbuches erfüllen. Bei der Körung sind die Merkmale Rahmen, Bemuskelung sowie Fundament nach einer Notenskala von 1 bis 9 zu bewerten und ist die Eignung für den Zuchteinsatz zu beurteilen. Da diese Rasse eine Eignung für extreme Standorte aufweisen soll, muss eine Fundamentnote von mindestens 5 erreicht werden.

 


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