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Deutsches Braunvieh

2014 Schwayer HUVILAD Ray

Verbreitung

 

Das Deutsche Braunvieh ist im Süden des Bundesgebietes vom Bodensee bis Garmisch-Partenkirchen in den rauen Berg- und Alpenregionen sowie dem davorliegenden Grünland- und Futterbaugebiet beheimatet. Zunehmend stößt das Deutsche Braunvieh in den letzten Jahren aufgrund seiner charakteristischen Vorzüge jedoch in ganz Deutschland auf starkes Interesse. Das Hauptverbreitungsgebiet unseres Braunviehs im Süden Deutschlands - das Allgäu - ist eine Milcherzeugungsregion mit langer Tradition und wird auch als die Käseküche Deutschlands bezeichnet. Deutsches Braunvieh leistet aufgrund der hervorragenden Käsereitauglichkeit seiner Milch einen entscheidenden Beitrag zur ausgezeichneten Qualität der zahllosen Käsespezialitäten, für die die international konkurrenzfähige Milchwirtschaft des Allgäus im In‑ und Ausland berühmt ist.

Wie kaum woanders wechseln im Verbreitungsgebiet des Deutschen Braunviehs die Haltungsbedingungen. Vom Weidegang in den rauen hochalpinen Lagen mit karger Grundfutterversorgung bis hin zur ganzjährigen Laufstall‑ oder Anbindehaltung mit nährstoffreicher Grundfutterversorgung in den intensiven Ackerbaulagen reicht die Spannbreite. Braunviehkühe erbringen unter all diesen Bedingungen aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit, Robustheit und ihres ausgezeichneten Beinwerkes jeweils maximal mögliche Höchstleistungen über viele Jahre.

 

Zuchtgeschichte

 

Die Wurzeln des Braunviehs reichen bis zum sogenannten bos brachyceros, dem Kurzhornrind zurück, das ursprünglich aus dem Kaukasus und Vorderasien stammt und in Europa vermutlich mit dem wilden Ur gekreuzt wurde. Im Alpenraum entwickelten sich aus diesem als Torfrindbezeichneten Vorfahren über die Jahrhunderte verschiedene Landschläge des Braunviehs, von denen der Allgäuer Schlag, der sogenannte Allgäuer Dachs Anfang des 19. Jahrhunderts zwar der kleinste und zierlichste war, sich aber durch die höchste Milchergiebigkeit, seine Genügsamkeit, Gesundheit, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit auszeichnete. Durch mangelnde eigene Nachzucht aufgrund starker Viehverkäufe, Verluste durch die Rinderpest und Futterkonkurrenz zur sich ausbreitenden Milchwirtschaft wurde der Allgäuer Schlag immer mehr durch andere Braunviehschläge aus Österreich und der Schweiz verdrängt und ging schließlich durch die starke Einfuhr Schweizer Zuchtstiere mangels eigener Stiere in seinem Typus gänzlich verloren. 1893 wurde die Braunviehzucht im Wesentlichen durch Schweizer Stierlinien und nur in geringem Umfang durch den Tiroler und Vorarlberger Schlag bestimmt, aus denen sich schließlich wieder eine eigenständige, leistungsstarke Zucht entwickelte.

Im Hinblick auf sich ändernde, wirtschaftliche Rahmenbedingungen begann dann ab 1966 beim Deutschen Braunvieh durch die Einkreuzung von Brown-Swiss-Stieren aus Nordamerika ein gezielter Umzüchtungsprozess hin zu einer größerrahmigen, stärker milchbetonten Zweinutzungsrasse, ohne dass dabei die Fleischleistung aus dem Auge verloren wurde. Immer standen Gesichtspunkte der Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Die konsequente, eigene Zuchtarbeit sowie die gleichzeitige, gezielte Ausschau nach den international besten Braunviehbullen haben das Deutsche Braunvieh heute zu einem weltweit geschätzten, in der internationalen Braunviehzucht führenden und begehrten Zuchtprodukt gemacht, das sich gerade auch aufgrund seiner unübertroffenen Anpassungsfähigkeit und Nutzungsdauer bei gleichzeitig hoher Leistung in allen Klimazonen der Welt bestens bewährt hat.

 

Leistungspotential

 

Kühe des Deutschen Braunviehs zeichnen sich heute durch ihr hohes Leistungspotential bei überragenden Eiweißgehalten und unübertroffener Eiweißqualität (Kappa-Kasein B) aus. Ihre Durchschnittsleistung erbringen sie aufgrund der regionalen Besonderheit des Alpen- und Voralpengebietes zwar zunehmend in extensiver wirtschaftenden Betrieben, in intensiv gemanagten Milchviehbetrieben zeigen sie jedoch ihr ganzes Leistungsvermögen mit Herdenleistungen bis über 13 000 kg! Die hohe Wirtschaftlichkeit der Braunviehkühe ergibt sich nicht nur aus den guten Erlösen aufgrund der hohen Leistungen, sondern in besonderem Maße auch durch die geringsten Kosten für die Milcherzeugung. Neben

  • hoher Milchleistung,
  • hohem Eiweißgehalt und
  • ausgezeichneter Käsereitauglichkeit

zeichnen sich unsere Braunviehkühe dabei durch

  • niedrigen Zellgehalt,
  • höchste Grundfutteraufnahme und dadurch höchste Grundfutterleistung bei geringstem Kraftfutteraufwand,
  • längste Nutzungsdauer,
  • höchste Lebensleistung,
  • gesundes Fundament mit harten Klauen,
  • ruhiges Temperament und
  • hohe Anpassungsfähigkeit und Klimatoleranz

aus.

Männliche Tiere haben eine

  • gute Mastfähigkeit in der Bullenmast
  • bei höchster Wirtschaftlichkeit durch geringe Einstandskosten und
  • weniger gebundenem Umlaufkapital.
  • Mit Mastrassen ergeben sich hervorragende Kreuzungsprodukte

HEGALL 18 06 2013 © 1